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Die Schlehe - Geschichte, Wirkung, Anwendung

Aktualisiert: 9. Okt. 2023


Schlehe - lokale Superbeere für dein Immunsystem
Schlehe - lokale Superbeere für dein Immunsystem

Als Schlehen (lat. Prunus spinosa) werden die Früchte des Schwarzdorns oder auch Schlehdorns bezeichnet, welche bereits seit Jahrtausenden als Nahrungs- und Heilmittel eingesetzt werden. Im Gegensatz zu den leuchtend weißen Blüten, welche uns im Frühling oft ein Lächeln auf die Lippen zaubern, kann uns das sauer-bittere Steinobst schon mal das Gesicht verzerren lassen. Das ändert sich aber mit dem ersten Frost: Sind die Früchte erst einmal durchgefroren, werden ihre Zellwände durchlässiger und die Stärke wird in Zucker umgewandelt. Gleichzeitig sinkt der Gerbstoffgehalt. Das hat zur Folge, dass die Früchte milder schmecken. Warum ich trotzdem vor dem ersten Frost zur Ernte aufbreche und wie sich die blauen Kügelchen verwenden lassen, erfährst du in diesem Artikel. Zusätzlich habe ich noch einen Vergleich zu aktuell in den Medien gehypten "Superfoods" für dich ausgearbeitet. Viel Spaß beim Lesen 😊


 

Inhalt

1. Exkurs - Geschichte zur Schlehe

1.1 Ötzi und die Steinzeitmenschen

1.2 Die Schlehe in der Mythologie

1.3 Harry Potter

2. Pflanzenportrait: Schlehe

2.1 Schlehe erkennen

2.2 Schlehe verwechseln

3. Inhaltsstoffe der Schlehe

3.1 Inhaltsstoffe

3.2 Schlehe vs. Acai

4. Schlehe - Richtiges Ernten

4.1 Schlehen richtig ernten

4.2 Sind Schlehen giftig?

5. Schlehe - Anwendung und Wirkung

5.1 Immunstärkender Schlehensaft für den Winter

5.2 Schlehentee - dein täglicher Begleiter im Winter

5.3 Schlehen für gesundes Zahnfleisch

5.4 Anwendung in der Naturkosmetik

5.5 Die Schlehe in der Küche


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1. Exkurs - Geschichte zur Schlehe

1.1 Ötzi und die Steinzeitmenschen

Ötzi ist der Name der Gletschermumie, welche 1991 in den Ötztaler Alpen in Südtirol gefunden wurde. Mithilfe technischer Mittel wurde der Tod auf ca. 3200 v. Chr. datiert, was Ötzi bis heute zur ältesten bekannten menschlichen Mumie macht. Doch was hat das ganze mit unserer Schlehe zu tun? Dem Fund und ihrer Untersuchung sind eine Vielzahl an Erkenntnissen über das Leben der Steinzeitmenschen in Europa zu verdanken. Unter anderem wurden bei Ausgrabungen in nächster Umgebung einige Schlehen-Kerne entdeckt. Zufall?


Diese Entscheidung bleibt dir selbst überlassen - ein bisschen Ungewissheit muss bei einer derartigen Zeitspanne ja bleiben 😉 Fakt ist, dass bei mehreren Ausgrabungen frühzeitlicher Siedlungen ebenfalls Schlehenkerne in häuslicher Umgebung gefunden wurden. Ob sie tatsächlich als Nahrungsmittel verwendet wurden oder ob sie für unsere Vorfahren eher mythologische bzw. religiöse Bedeutung hatten, ist ungewiss.

Sinnbildliche Darstellung: Oetzi in nächster Umgebung von Schlehen
Sinnbildliche Darstellung: Oetzi in nächster Umgebung von Schlehen

1.2 Die Schlehe in der Mythologie

Die Schlehe war schon immer eine magische Pflanze. In alten Geschichten und in der Mythologie spielt sie eine große Rolle. Da sie vor Hexen, Blitzen und allgemein vor dunklen Mächten schützen soll, wurde sie – wie der Weissdorn auch – oft in der Nähe von Haus und Hof gepflanzt. In der Walpurgisnacht nagelten Bauern oft Schwarzdornzweige an ihre Stalltüren, damit das Vieh vor dem Bösen geschützt bleibt. Die Bauern selbst suchten Schutz, indem sie Ketten mit durchlöcherten Schlehenkernen trugen. Zusätzlich galt die Pflanze als eine Art "Grenzzone".

  1. Grenzzone zur Anderswelt: Wer unter ihr schlief, konnte im Traum angeblich die Grenze zwischen den Reichen passieren und in die Welt der Verschiedenen eintauchen.

  2. Grenzzone zwischen Gut und Böse: Böse, da sie vor allem in den Nordländern als Heimat dunkler Götter oder Feen und Hexen galt. Die weiße Blüte hingegen stand für die Erneuerung des Lebens.

Grund für diese Zweideutigkeit ist das Erscheinungsbild. Zeigt sich die Schlehe im Winter karg und mit schwarzer Rinde, so trägt sie im Frühling leuchtend weiße Blüten und läutet die Rückkehr der warmen Jahreszeit ein.


1.3 Harry Potter

Der Name "Harry Potter" und die zugehörigen Filme bzw. Bücher sind wohl den meisten ein Begriff. Doch nur wer genau aufgepasst hat, weiß auch, dass die Schlehe in der Romanreihe eine tragende Rolle spielt.

Zauberstab aus Schwarzdornholz
Zauberstab aus Schwarzdornholz

Zauberstäbe aus Schwarzdorn-Holz. Die Autorin verschreibt ihnen unter anderem beste Eignung für kriegerische Handlungen, was wahrscheinlich auf die Härte des Holzes und die verwogene Wuchsform zurückzuführen ist. Doch noch etwas zeichnet die Stäbe aus: Sie können sowohl von Auroren (Schützer vor dem Bösen) als auch von Besitzern, welche sich der dunklen Künste verschrieben haben, geführt werden. Erinnerst du dich? Ähnliche Grenzzonen habe ich bereits unter 1.2 Die Schlehe in der Mythologie beschrieben.


PS: Faszinieren dich auch Mythen und alte Geschichten rund um Wildpflanzen? Dann wirst du diesen Artikel lieben >> Rotklee 🍀 - von keltischen Druiden bis hin zur modernen Naturkosmetik



2. Pflanzenportrait: die Schlehe

Die Schlehe bzw. der Schwarzdorn oder Schlehendorn gehört in der botanischen Einordnung zur großen Familie der Rosengewächse. Der dornige Strauch wächst seit Jahrtausenden in Mitteleuropa und ist somit schon immer eng in Berührung mit den hier lebenden Menschen.

Schlehe Steckbrief - Prunus spinosa
Schlehe Steckbrief - Prunus spniosa

2.1 Schlehe erkennen

Wie kannst du nun die Schlehe erkennen? Grundsätzlich ist die Pflanze sehr anspruchslos und befindet sich in wilden Hecken, Straßenböschungen, an Waldrändern oder an Flussrändern. Auf folgende Merkmale solltest du achten, um die Schlehe sicher zu bestimmen:

  • Blüten: die weißen Blüten säumen im Frühling oft als erstes ganze Hecken. Da die Blüte bereits beginnt, bevor das erste Laub austreibt (März - April), hat man hier ein erstes eindeutiges Erkennungsmerkmal.

  • Blätter: Die Blätter entwickeln sich im Mai und haben eine ovale Form, sind bis zu 5cm lang und am Rand leicht gezackt.

  • Rinde: Die Rinde der Schlehe ist sehr dunkel - fast schon schwarz.

  • Dornen: Die Pflanze hat kräftige, spitze Dornen, welche bis zu 2cm lang werden können.

  • Früchte: Der Schlehdorn trägt haselnussgroße Früchte, welche im reifen Zustand sehr an Beeren oder Trauben erinnern. In Wirklichkeit ist die Frucht der Schlehe aber die "Urform" der heutigen Pflaume und gehört somit zum Steinobst (auch zu erkennen am Kern). Im Frühherbst färben sie sich von Grün ins tief Blaue und leuchten regelrecht an den Wegrändern.

Schlehe im Frühling
Blühende Schlehe im Frühling: gut zu erkennen die schwarze Rinde, die großen Dornen und die noch nicht vorhandenen Blätter


2.2 Schlehe verwechseln

Die Schlehe lässt sich aufgrund oben beschriebener Merkmale eigentlich relativ sicher und verwechslungsfrei bestimmen. In der Blütezeit sind andere Dornensträucher - vor allem der Weissdorn - im Erscheinungsbild relativ ähnlich. Deutliches Unterscheidungs-Kriterium ist jedoch der Zeitpunkt der Blüte: Wie oben beschrieben blüht die Schlehe bereits vor dem Austreiben der Blätter. Beim Weissdorn ist der Sachverhalt genau anders - erst die Blätter dann die Blüte. Folgendes Bild verdeutlicht den Unterschied zum Bild der Schlehe vorhin.

Blühender Weissdorn
Blühender Weissdorn - nur in Kombination mit den bereits ausgetriebenen Blättern

3. Inhaltsstoffe der Schlehe

3.1 Inhaltsstoffe

Schlehen sind echte Booster - vor allem sind sie bis in den späten Herbst frisch verfügbar, was sie ebenfalls besonders macht. Wieder einmal ist es eine Pflanze, die in Massen direkt vor unserer Nase wächst, welche mit eindrucksvollen Inhaltsstoffen glänzt. Vor allem sind folgende hervorzuheben:

  • Bitterstoffe

  • Gerbstoffe

  • Vitamin C

  • Mineralien wie Eisen, Kalium, Natrium, Magnesium und Calcium

  • Anthocyane (sekundäre Pflanzenstoffe, welche die tiefblaue Farbe geben)

Wie du vielleicht bereits weißt sind Vitamin C und Anthocyane mitunter die bekanntesten Antioxidantien, welche bekanntlich deinem Immunsystem unter anderem im Kampf gegen Viren und Bakterien helfen, dein Herz stärken, aber auch deine Haut ganz einfach jünger aussehen lassen. Was genau antioxidativ bedeutet und wobei dich Antioxidantien unterstützen, habe ich im Artikel zum Rotklee beschrieben.


3.2. Schlehe vs. Acai

Da Marketing-Kampagnen die Leute immer mehr verunsichern und stetig mehr vermeintliche "Superfoods" aus fernen Regionen zu horrenden Preisen gekauft werden, habe ich mir mal ein Beispiel angesehen. In diesem Fall Schlehe vs. Acai. Acai könnte aber auch durch jegliche andere moderne Trendfrucht ersetzt werden.

Schlehe vs. Acai
Schlehe vs. Acai

Acaii-Beeren sind die Früchte der Kohlpalmen, sie wachsen und gedeihen vor allem im unteren Amazonasgebiet in Südamerika. Die dunkelrote Beere wird als die "Brasilianische Wunderbeere" gepriesen und in der Werbung sprechen Firmen gerne von der unglaublichen Konzentration an Antioxidantien, lt. Marketing-Kampagnen machen sie unseren Körper scheinbar fast unsterblich (Achtung Ironie). Vor allem Vitamin C und Anthocyane sind die Schlagwörter, die verwendet werden. Tiefer möchte ich an dieser Stelle nicht auf die Inhaltsstoffe eingehen, da es ehrlich gesagt extrem schwierig ist an Nährstoffangaben zur frischen Beere aus belastbaren Quellen zu kommen.


Viel mehr möchte ich die Gegenüberstellung einmal aus umwelttechnischer und ethischer Sicht betrachten:

Gegenüberstellung Schlehe und Acai
Gegenüberstellung Schlehe und Acai

Ich denke das Schaubild sagt mehr als 1000 Worte. Trotzdem möchte ich noch ein paar Sätze loswerden. Zuerst noch der Hinweis, dass die Inhalte natürlich plakativ und beispielhaft zu sehen sind - es gibt mit Sicherheit auch Acai in anderen Verpackungen zu anderen Preisen 😉 Neben den in der Darstellung gezeigten Punkten folgt nun noch eine logische Betrachtung der Inhaltsstoffe (nur mein Gedankengang, keine Wissenschaft!), ohne wie vorhin schon erwähnt die genauen Angaben in Milligramm oder einer sonstigen Einheit zu kennen:

  1. Anthocyane gelten als Antioxidantien

  2. Anthocyane sind pflanzliche Farbstoffe, welche der Frucht die blaue Farbe geben

  3. Die Schlehe ist tief dunkelblau

Zusammenfassend ist es meiner Meinung nach immer besser, lokale Wildkräuter und lokales Wildobst zu essen, anstatt auf Hypes aus fernen Ländern zu vertrauen. Es kann durchaus sein, dass die wilde und biologisch angebaute Pflanze in Brasilien vielleicht den ein oder anderen Wirkstoff mehr hat, als eine heimische Vergleichspflanze... Das will ich nicht abstreiten. Die Frage die ich mir stelle, ohne die jeweiligen Bedingungen zu kennen oder jemandem etwas unterstellen zu wollen: Ist dass immer noch so, wenn die Pflanze überdüngt und unreif geerntet wird, anschließend in einem Plastikbeutel verpackt mehrere 1000 Kilometer geflogen wird und zum Schluss als Pulver verkauft wird?


Mich persönlich überzeugt hier allein die Unwissenheit.



4. Schlehe - Richtiges Ernten

4.1 Schlehen richtig ernten


Was kann man von der Schlehe ernten? Wenn es um die Schlehe bzw. den Schlehendorn geht, denken viele sofort an die kleinen blauen Früchte, welche von der Form an Weintrauben oder Beeren erinnern, in Wirklichkeit aber zum Steinobst gehören und somit die Urform der heute bekannten Pflaume sind. Das ist auch vollkommen richtig - die Früchte können bzw. sollten auf jeden Fall geerntet werden. Doch auch die Blüten sind nicht zu vernachlässigen. Als eine der ersten blühenden Pflanzen im Frühling kann man die wunderschön weißen Gewächse zu wertvollen Produkten verarbeiten. Doch dazu später mehr.


Wann soll man die Schlehe ernten? Die Blüte kann zu jeder Zeit geerntet werden, zu welcher du sie findest - in der Regel März oder April. Je frischer desto besser. Interessanter ist hier die Frucht: Auf sämtlichen Portalen und in fast allen Ratgebern lese ich immer wieder, dass die Früchte der Schlehe nach dem ersten Frost zu ernten sind. Grundsätzlich ist das auch auch richtig. Sind die Früchte einmal durchgefroren, werden ihre Zellwände durchlässiger und die Stärke wird in Zucker umgewandelt. Zudem sinkt der Gerbstoffgehalt. Das hat zur Folge, dass die Früchte milder schmecken. Deshalb ist auch vor vielen Jahren die ungeschriebene Regel entstanden, Schlehen müsse man nach dem ersten Frost sammeln.

Dabei gibt es jedoch zwei Probleme, über die ich immer wieder gestolpert bin...

  1. Auch Vögel und andere Tiere lieben Wildobst wie Schlehen. Und auch Vögel lieben eher die milde Schlehe als die bittere Schlehe. Je später im Jahr es wird, desto weniger Futter finden die Tiere und desto schneller sind vorhandene Ressourcen (auch die Schlehen) aufgefressen.

  2. Nachdem Frost beginnt der Strauch seine Blätter abzuwerfen. Und ja - er beginnt auch, seine Früchte abzuwerfen. Ist der erste Frost sehr stark oder dauert gleich mehrere Nächte am Stück, kann es ziemlich schnell gehen, dass die Sträucher leer sind.


Fazit: Du kannst weder die Tierwelt noch das Wetter beeinflussen. Möchtest du also auf Nummer sicher gehen oder hast du nicht auf Abruf Zeit und kannst direkt nach der ersten frostigen Nacht am Morgen auf Schlehensammlung gehe, empfehle ich dir die blauen Vitaminbomben bereits im frühen Herbst einzusammeln. Reif sind die Früchte, sobald sie sich komplett (bis zum Stiel) blau gefärbt haben und keine grünen Stellen mehr auffindbar sind. Die Reife der Schlehen kannst du auch daran erkennen, wenn sie sich leicht pflücken lassen.


Zum Schluss noch mein Tipp aus der Praxis:

"Lege die gesammelten Früchte für zwei Tage in die Gefriertruhe oder in das Gefrierfach, und du hast eine weitaus entspanntere Schlehenernte als wenn du auf den ersten Frost warten würdest." - Gertraud Fusseder

4.2 Sind Schlehen giftig?

Hartnäckig hält sich im Allgemeinen das Gerücht, dass Schlehen roh giftig seien und man sie deshalb nicht frisch zu sich nehmen solle. Das stimmt so nicht! Schlehen lassen sich sehr wohl roh genießen – allerdings nur in Maßen. Woher kommt dann der Glaube, dass die blauen Früchte giftig seien?

> In den Kernen der Schlehe ist Amygdalin enthalten. Diesen Stoff wandelt unser Körper nach dem Verzehr in Blausäure um, welche wiederum giftig für uns Menschen ist. (Die Kerne werden ohnehin nicht verzehrt. Bei Zubereitungen von Marmeladen etc. musst du die Früchte nicht vor dem Kochen entkernen. es reicht, wenn sie nach dem Kochen passiert werden.) Allerdings ist der Gehalt in den kleinen Kernen der Schlehen nur gering, sodass man extreme Mengen zu sich nehmen müsste, um sich zu vergiften. Und keine Angst - große Menge kann man aufgrund des bitteren Geschmackes - vor allem vor dem Frost - so und so nicht zu sich nehmen.😉

Bei der Schlehenernte auch mal Kosten 😊
Schlehen dürfen von Erwachsenen ruhig rohe gegessen werden 😊

Achtung: Kinder oder auch bei Personen mit empfindlichen Magen sollten Schlehen nicht roh verzehren, es kann zu Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall führen. Generell dürfen die Kerne bei den Schlehen nicht verwendet werden, es reicht aber aus, wenn sie nach dem Kochvorgang entfernt werden.


5. Schlehe - Anwendung und Wirkung

Mal abgesehen davon, dass die Schlehe mit den weißen Blüten im Frühling und den blau leuchtenden Früchten im Herbst wunderbar anzusehen ist, kann sie uns auch bei verschiedensten Herausforderungen unterstützen und ist eine echte Waffe in der Hausapotheke. Mir bekannte Wirkungen sind:

Anwendung und Wirkung Rotklee, Rotklee bei Wechseljahresbeschwerden
Rotklee Anwendung & Wirkung

Ihr seht - die Schlehe hat neben der Verwendung als Futterquelle für Vögel und Heckentiere auch für uns Menschen ein breitgefächertes Einsatzgebiet und Wirkspektrum. Sie kann uns sowohl äußerlich als auch innerlich bei verschiedensten Problemen unterstützen. Im Folgenden will ich dir zeigen, mit welcher Anwendung du die Wirkung hervorrufen kannst.


5.1 Immunstärkender Schlehensaft für den Winter

Die Klassiker der Schlehen-Anwendung sind diverse Produkte zur Unterstützung des Immunsystems. Hierzu findet man wohl das meiste in der Literatur, und das auch zurecht. Die Schlehe ist ein echter Immun-Booster. Da sie bis in den späten Herbst frisch verfügbar ist, schafft man es stets mit frischen Vitaminen über den gesamten Winter. Das beste: Nicht nur das Immunsystem freut sich über die Unterstützung der Schlehe, auch dein Verdauungstrakt genießt die Begegnung mit der blauen Frucht. Der Stoffwechsel wird durch die Bitterstoffe angeregt, die Bildung der Magensäfte verbessert und Heißhungerattacken verhindert. Anbei mein erprobtes Rezept:

Das muss rein

  • 1 kg Schlehen

  • 1,5 l Wasser

  • 100 g Zucker

  • 1 frisch gepresste Zitrone

  • 1 Zimtstange

So Geht's

  1. Schlehen waschen und putzen. Wenn du sie vor dem ersten Frost gesammelt hast, dann noch für mindestens 24 Stunden in die Gefriertruhe stellen - ansonsten direkt in eine große Schüssel geben. Die Schlehen mit kochendem Wasser übergießen. Schüssel mit einem Deckel verschließen und 24h stehen lassen.

  2. Nach 24h die Schlehen durch ein Sieb abseihen und die Flüssigkeit auffangen. Die Schlehen wieder in die Schüssel geben.

  3. Die abgeseihte Flüssigkeit erneut aufkochen und über die Schlehen in der Schüssel gießen. Erneut 24h stehen lassen.

  4. Diesen Vorgang 4 - 5 Tage wiederholen. Dabei werden die Inhaltsstoffe nach und nach ausgezogen.

  5. Spätestens am 5 Tag den Saft mit dem Saft der Zitrone, dem Zucker und der Zimtstange aufkochen und einige Minuten einköcheln lassen. Die Gewürze abfiltern und den tiefroten Saft noch heiß in dunkle und saubere Flaschen füllen. Sofort verschließen.

  6. Kühl und dunkel lagern.

Schlehen-Immunsaft - jeden Tag 4cl trinken
Schlehen-Immunsaft - jeden Tag 4cl trinken

PS: Hörst du innerhalb weniger Stunden nach dem Abfüllen des Saftes ein "Klicken oder Klacken" ist das ein gutes Zeichen und der Saft ist mit ziemlicher Sicherheit lange haltbar. Das Geräusch bedeutet nämlich, dass sich in der Flasche nach dem Abfüllen (deshalb auch heiß abfüllen) ein Vakuum gebildet hat. Ist der Deckel nicht 100% dicht, kommt Sauerstoff in die Flasche, du hörst kein Klacken und der Saft wird durch den Sauerstoff ziemlich schnell verderben.


So wendest du sie richtig an

Vom Spätherbst bis in den Frühling täglich ein kleines Glas (4cl) zu dir nehmen. Achtung bei Verzehr auf nüchternen Magen. Bei empfindlichen Personen kann dies zu Magenverstimmungen führen.


5.2 Schlehentee - dein täglicher Begleiter im Winter

Die Schlehe bietet eine wunderbare Möglichkeit, einen wohltuenden Tee aufzugießen. In der Wirkweise unterscheidet sich der Tee nicht stark vom Saft, wobei man sagen kann, dass der Tee die leichtere und sanftere Variante darstellt. Er kann als Frühjahrskur zur Kräftigung nach einer Krankheit oder einem Infekt getrunken werden, aber auch unterstützend bei Erkältung und Fieber. Zudem stärkt er deinen Magen, löst Verstopfungen und gleicht die Verdauung aus. Das Schöne: im Tee können sowohl Blüten als auch Beeren verwendet werden - beides in frischer und getrockneter Form.

PS: Verwende maximal 70°C warmes Wasser, so behältst du die meisten Wirkstoffe im Tee.


5.3 Schlehen für gesundes Zahnfleisch

Schlehenfrüchte enthalten wie du bereits weißt viele Gerbstoffe. Diese haben eine sog. adstringierende (zusammenziehende) Wirkung, welche den Körper dabei unterstützt Entzündungen zu heilen und vor allem Schleimhäute gesund zu halten. So hilft sie auch bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und bei kleinen Verletzungen im Mund. Entzündungen heilen dadurch schneller ab. Du kannst ganz einfach den in 4.2 beschrieben Tee als Mundspülung verwenden oder getrocknete Früchte kauen. Aber auch der in 4.1 beschriebene Saft oder sonstiger Verzehr von Schlehen ist bei Zahnfleischproblemen sinnvoll. Es ist einfach wichtig, dass dein Körper mit genügend Gerbstoffen und Antioxidantien versorgt ist 😉


5.4 Anwendung in der Naturkosmetik

In Fachbüchern und Ratgebern lese ich immer wieder Rezepte und Anwendungen für die Schlehe in der Naturkosmetik. Selbst habe ich das jedoch ehrlicherweise noch nie ausprobiert... Ich verwende meine Schlehenernte immer für andere Produkte. Trotzdem habe ich es hier mit aufgenommen, da ich mir sehr gut vorstellen kann, dass ein Massageöl oder auch ein Balsam mit Schlehen sehr gut gelingt und auch toll in der Anwendung ist.


Warum kann ich mir das gut vorstellen?


Wie du bereits weißt, beinhaltet die Schlehe viele Antioxidantien und unterstützt uns durch seine antioxidative Wirkung. Dadurch denke ich, haben Massagen mit Schlehenöl oder das Einreiben mit einem wohltuenden Balsam eine verjüngende Wirkung auf die Haut. Die Haut kann so mehr Wasser speichern, was zur Minderung von Falten und einer glatteren und strafferen Oberfläche führt. Auch der Blutfluss wird angeregt und das Wachstum und die Regeneration der Hautzellen verbessert. Die Haut bleibt quasi länger straff und jung!


PS: Möchtest du eine Massageöl, eine Salbe oder einen Balsam herstellen, kannst du in diesem Artikel nachlesen: Vogelmiere-Salbe DIY - Rezept und Anleitung

Es ist zwar eine andere Pflanze, der Prozess ist jedoch der gleiche.😊

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5.5 Die Schlehe in der Küche

Die Schlehe als Rohobst

Wie schon mehrmals im Artikel erwähnt ist die Schlehe im rohen Zustand - vor allem vor dem ersten Frost - nicht wirklich eine Delikatesse. Trotzdem kannst du sie natürlich - angenommen dir schmeckt "bitter" - gerne in kleinen Mengen roh essen. Das ist sogar ziemlich gesund. So kannst du auch hautnah bzw. "zungennah" erfahren, was es heißt Gerb- und Bitterstoffe zu sich zu nehmen. Wird deine Zunge leicht pelzig, dein Gaumen leicht taub und du hast das Gefühl, dass sich alles zusammenzieht? Dann weißt du, dass es auf alle Fälle eine Schlehe war 😉 Wie oben beschrieben freut sich aber dein Zahnfleisch und deine Mundschleimhaut umso mehr über diesen kleinen "Bitterschock".


Fruchtleder aus Schlehe

Kennst du Maoam-Stripes oder Fritt - die bekannten Fruchtugummis? Vielleicht aus deiner eigenen Kindheit oder von deinen Kindern? Fruchtleder ist die gesunde und mindestens genau so leckere Alternative!

Fruchtleder - die gesunde Alternative zu Maoam oder Fritt
Fruchtleder - die gesunde Alternative zu Maoam oder Fritt

Fruchtleder kann man auch vergleichen mit Trockenobst. Aus Obst, in diesem Bild aus heimischen Hagebutten, wird ein Fruchtmus hergestellt, welchem durch schonendes Trocknen die Feuchtigkeit entzogen wird. Dies geschieht bei sehr niedriger Temperatur, ca. 45 - 50 Grad. Du kannst dafür den Backofen nutzen oder einen Dörrautomat. Alternativ kannst du aber auch anderes Obst verwenden: Schlehen, Trauben, Eberesche,.... Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt 😊 Die Konsistenz des getrockneten Fruchtpürres fühlt sich lederartig an - woher auch der Name stammt. Das schöne an dieser leckeren Nascherei ist, dass es wirklich gesund ist und du die Zutaten selbst bestimmen kannst.


PS: Das komplette Rezept incl. Schritt für Schritt Anleitung findest du in folgendem Artikel:


Schlehen-Marmelade

Schlehen-Marmelade hausgemacht! Das ist wirklich etwas besonderes. Und es schmeckt auch besonders - besonders gut!!! 😍 Grundsätzlich eigentlich egal, welches Wildobst - Schlehen, Hagebuttten, Vogelbeeren, etc. Ich liebe es, die leuchtenden Herbstfarben, der leicht herbe und doch so süße Fruchtgeschmack und ganz nebenbei sooo gesund. Die Früchte verlieren durch den Kochvorgang zwar an Vitamin C, doch dieses ist im Wildobst reichlich vorhanden. Insbesondere Schlehen beinhalten so große Mengen, dass auch nach dem Kochvorgang noch genügend übrig ist. Wenn du auf der Suche nach einer etwas spezielleren Variante des süßen Brotaufstrichs bist oder bei einem Brunch mit Freundinnen überzeugen willst, dann ist Schlehenmarmelade auf alle Fälle das richtige für dich!!!

Hagebuttenmarmelade
Hagebuttenmarmelade - in der Herstellung identische mit der Schlehenmarmelade

PS: Das komplette Rezept incl. Schritt für Schritt Anleitung findest du in folgendem Artikel:

Zwar ist im Artikel die Hagebutte die verwendete Frucht, das Vorgehen bleibt aber das Selbe.


Das wars zur Schlehe. Ich hoffe, du hast in meinem Artikel zur Schlehe viel Neues gelernt und kannst die Pflanze in Zukunft sicher erkennen, die Verwendung dosieren und hast Spaß bei der Zubereitung und Herstellung verschiedener Produkte. Sollten noch Fragen offen sein, einfach die Kommentar-Funktion nutzen. Beste Grüße, Gertraud


 

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1 Comment

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Guest
Sep 19, 2022

Sehr schön geschrieben, toll.

Endlich jemand der auch nicht diesen Mythos verbreitet, Schlehen müßten Frost am Strauch bekommen.

Ich liebe Schlehen, esse sie roh, als Marmelade und trinke sie als Saft oder Likör, aber wenn ich bis zum ersten Frost warten würde, wäre die Ausbeute sehr gering.

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Disclaimer

Ich distanziere mich von jeglichen Heilaussagen oder Heilwirkungen. Alle Aussagen, die hier getroffen wurden, dienen der allgemeinen Information zur Pflanze. Die Quellen für meine Inhalte sind unzählige Sachbücher von Autoren wie z.B. Doris Grappendorf, persönliche Weiterbildungen, sowie Erfahrungen und Überlieferungen. Ein Heilversprechen zu geben, ist nicht gewollt und wäre auch nicht seriös. Was ich euch versprechen kann, dass ich alle Informationen überprüfe und nur für mich seriöse Quellen verwende. Es ist mir ein Anliegen, aufzuzeigen, in welcher Art und Weise man die vorgestellten Pflanzen in die Ernährung integrieren oder daraus wohltuende Kosmetik herstellen kann. Es wird keine Empfehlung zur Behandlung von Krankheiten gegeben. Bitte in jedem Krankheitsfall einen Arzt aufsuchen. 

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